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Churwaldner Geschichte

Der Name

Historiker schreiben, dass der heutige Ort Churwalden bis ins 12. Jahrhundert den Namen Aschera trug, welcher sich vom lateinischen Wort acer (Ahorn) ableiten lässt. In späteren Schriften taucht auch der Name silva Augeria auf. In einem Zinsbuch aus dem Jahr 1513 finden wir erstmals die Bezeichnung Churwalden, die sich fortan bis auf den heutigen Tag durchsetzte.

Geographische Lage

Churwalden liegt im gleichnamigen Tal zwischen den Bergketten des Parpaner Rothorns und des Stätzerhorns auf einer Höhe von 1'230 m.ü.M. Dieses Tal verläuft von Süden nach Norden und wird von der Rabiosa (die Wilde) durchflossen. Das Dorf liegt an der Oberen Strasse, wie die Verbindung über die Parpaner Höhe gegen Süden bezeichnet wird. Diese sehr alte Wegverbindung hatte schon seit dem frühen Mittelalter eine wichtige Bedeutung.

Frühgeschichte Rätiens

Obwohl verschiedene historische Funde auch in den Bündner Tälern urgeschichtliche Besiedlung nachweisen, entstanden erst mit der Ausdehnung des Römerreiches bis über den Rhein eigentliche staatliche Lebensformen im damaligen Rätien. Wichtige Verbindungswege führten über unsere Alpenpässe und liessen bereits damals Chur zu einem Zentrum heranwachsen. Diese Entwicklung und dieser Aufschwung wirkte sich auch auf die Entstehung von Churwalden aus.

Ein Kloster in Churwalden

Klosterkirche

Im 9. Jahrhundert wird bereits ein Kloster St. Maria mit einem Hospiz in Churwalden erwähnt. Dieses Hospiz diente vor allem den Wanderern und den reisenden Gesellschaften. 1149 ist erstmals die Kirche St. Maria in silva Augeria urkundlich nachgewiesen. Einige Jahre später erfolgte die Stiftsgründung durch die Prämonstratenser Mönche aus Roggenburg (D). Diese Stiftsgründung entwickelte sich zu einer grossen geistlichen Stätte, welche einen bedeutenden Einfluss auf die Bildung und die Betreuung der Bevölkerung ausübte. Die Kirche und die Klostergebäude wuchsen zu einem grossen Komplex aus, von dem heute nur mehr ein kleiner Teil erhalten geblieben ist, der aber zum nationalen Denkmal geworden ist.

Weltliche und kirchliche Mächte

Im Mittelalter herrschten viele Adelsgeschlechter über ganze Regionen und Täler des alten Rätiens. Über das Churwaldnertal regierten die Freiherren von Vaz, welche auf der Burg Belfort residierten und zu dessen bekanntesten Vertretern Donath von Vaz zählt. Zwischen diesen Adelsgeschlechtern, aber auch zwischen den damals eingesetzten Bischöfen in Chur entstanden immer neue Gebietsansprüche und Fehden, die oftmals zu kriegerischen Wirren führten und das Volk bedrückten.

Die Walser

Im 13. und 14. Jahrhundert wanderten deutschsprachige Gruppen aus dem Wallis in unsere Hochtäler ein. Weil die Freiherren vermehrt Schutz und Hilfe suchten, verpflichteten sie diese Walser, statteten sie mit verschiedenen Freiheiten aus und übergaben ihnen auch Güter als fest vererbbare Lehen. In Runcalier und auf dem Oberberg, lassen sich Spuren der Walser finden.

Diese Walser vermischten sich mit den ansässigen Romanen. Gemeinsam versuchten sie ihre Freiheit zu schützen und auszubauen. So trat Churwalden 1436 dem Zehngerichtebund bei, welcher sich vier Jahrzehnte später mit den anderen zwei Bünden zusammenschloss. Aus dieser Vereinigung entstand alt fry Rätien, das 1803 als das heutige Graubünden der Eidgenossenschaft beitrat.

Die Reformation

Im 16. Jahrhundert fasste die Reformation in Rätien Fuss. Viele Gebiete traten geschlossen zur neuen Lehre über. In Chur wirkte Johannes Comander. Sein Wort wurde überall gehört. Bald aber setzte die Gegenreformation ein, die im dreissigjährigen Krieg (1618 – 1648) ihren Höhepunkt erreichte. Nach dieser Not spürten viele Menschen, dass mit Krieg und Hass keine Probleme dauerhaft gelöst und kein Zusammenleben wirklich möglich werden kann.

Das Kloster in Churwalden musste geschlossen werden. Die Gebäude wurden zu anderen Zwecken verwendet oder zerfielen. Nur die Klosterkirche St. Maria und Michael blieb von 1616 – 1967 für den alten und den neuen Glauben das gemeinsam benutzte Gotteshaus. In den Jahren 1967 traten die Protestanten ihren Anteil an diesem Gotteshaus an die Katholiken ab und bauten eine Kirche im Dorf.

Tourismus und Wirtschaft

Der Anfang des einstigen Kurortes Churwalden wird in die Zeit um 1870 gesetzt. Er galt damals als gesunder Luftkurort und Wintersportplatz. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden die ersten Hotels, die aber wegen den grossen Wirtschaftskrisen erhebliche Mühe hatten, um zu bestehen.

Seilpark Pradaschier

Um 1950 begann die Erschliessung der Skigebiete Stätz und Pradaschier mit Skiliftanlagen. Dies ermöglichte den Aufschwung zum bekannten und nahe an den grossen Zentren gelegenen Skigebiet, das heute noch viele Schneesportfreunde anlockt. Heute steht in Churwalden auch die längste auf Schienen geführte Rodelbahn der Welt, welche im Sommer wie auch im Winter befahrbar ist. Ein Seilpark, welcher ebenfalls ganzjährig betrieben wird, rundet das Angebot ab.

Hotel- und Touristikfachschule Passugg

Eine für Churwalden ganz besondere Bedeutung hat die Fraktion Passugg mit den weltweit berühmten Mineralwasserquellen. Die seit mehreren Jahrhundert bekannten Quellen in der Rabiosaschlucht wurden zur Grundlage des 1896 erbauten Kurhotels Passugg, das heute als Hotel- und Touristikfachschule dient. Der Vertrieb des in reichlicher Menge anfallenden Mineralwassers Theophil wird seit 1949 durch eine selbständige Gesellschaft besorgt und machte Passugg international bekannt.

Die Vorzüge des Churwaldner Klimas bewirkten auch, dass sich in Churwalden die bekannte Bündner Fleischindustrie entwickelte. Anfänglich waren es kleine Einzelbetriebe, die das Trocknen auf natürlichem Wege betrieben. Heute beschäftigen vier Fleischtrocknereien viele Einheimische, wie auch auswärtige Personen und tragen mit ihren Produkten den Namen Churwalden in die weite Ferne.

Bedeutende Bauwerke

Die alte Klosterkirche am Nordeingang des Dorfes ist heute ein nationales Denkmal, das mit viel Aufwand restauriert wurde. Es ist eine "Lettnerkirche", von denen es in der Schweiz nur ganz wenige gibt. Lettner nennt man die Trennmauer im Innern der Kirche, die den Mönchschor vom Laienschiff trennt. Der Hochaltar der Kirche entstand um 1477 und wurde in einer Werkstatt in Ulm angefertigt. Ein Wandbild, das die Krönung Marias darstellt, stammt vom Waltensburger Meister.

Alters- und Pflegeheim Lindenhof

Das grosse, stattliche Gebäude am Waldrand, etwas oberhalb der Hauptstrasse gelegen, heisst Lindenhof. Es ist das von verschiedenen Gemeinden getragene, regionale Alters- und Pflegeheim, das etwa dreissig betagten Personen ein Zuhause bieten kann. Dieses Haus wurde um 1905 als Hotel erbaut und diente später viele Jahre als Erholungsheim für asthmakranke Kinder. Um 1970 wurde es zum Altersheim umgebaut, dem später eine Pflegeabteilung angegliedert wurde.

Tobelhaus

Am Südende des Dorfes steht ein altes Haus, das heute den Namen Tobelhaus trägt. Dieses Haus entstand Ende des 16. Jahrhunderts als ein Mischhaus zwischen Herrschafts- und Bauernhaus, das deutliche Elemente des Gotthardhauses, aber auch solche südlicher Haustypen aufweist. Es ist restauriert und teilweise an heutige Wohnzwecke angepasst worden, ohne aber die Art des historischen Hauses zu schmälern. Der fahrende Künstler Ardüser hat dieses Haus an der Ostfassade mit einem Madonnenbild und den Wappen der drei Bünde wertvoll bereichert.

Evangelische Kirche

Die evangelische Kirche wurde im Jahr 1968 eingeweiht. Ihre moderne Bauweise fusst im Grundgedanken auf einem sechseckigen Bergkristall und steht am Ostabhang mitten im Dorf. In ihrer schlichten, modernen Form wird sie auch nach Jahren noch eine Bereicherung des Dorfbildes sein. Ihre vier Glocken im Turm wurden ganz bewusst im Klang den Schwesterglocken der katholischen Kirche angepasst.

Im Jahre 1958 baute die Gemeinde für ihre Jugend ein neues Schulhaus. Dieses Schulhaus dient auch den Sekundar- und Realschülern der Gemeinden Malix und Parpan. Später ist es erweitert worden, da Raumnot herrschte. Dieses Haus dient aber nicht nur der Schule, sondern ist zum Zentrum für die Gemeinschaft im Dorf geworden.

Rathaus

1994 konnte das neue Rathaus an der Hauptstrasse eingeweiht werden, das als Verwaltungszentrum für die Gemeinde geplant wurde. Es entstand an dem Ort, wo zwei Jahrzehnte früher das alte Rathaus abgebrochen wurde, weil es sehr baufällig war und den neuen Bedürfnissen der Gemeinde nicht mehr genügte. Der grosse Bau ist heute ein markantes Gebäude der Gemeinde und erfüllt die Bedürfnisse der Einwohner.

Zwei Kirchen, verschiedene typische Hausbauten, eine grosse Schulanlage, die auch als Kulturzentrum der Gemeinde dient, ein regionales Alters- und Pflegeheim und ein Rathaus sichern unserer Gemeinde die Möglichkeiten einer bewussten und zielgerichteten Hilfe und Tätigkeit für alle Einwohner, für die Jugend, für die Werktätigen, für die Betagten und für unsere Feriengäste. Es liegt nun in der Hand der kommenden Generationen, diese einst und heute geschaffenen Werke zum Wohle der Gemeinschaft zu nutzen, zu pflegen und weiter zu fördern.


Literaturnachweis:
Markoff/Brüesch "Land und Leute von Churwalden", Terra Grischuna Buchverlag
Pieth "Bündnergeschichte", F. Schuler, Chur, 1945