Parpaner Geschichte
Der Name
Die früheste urkundliche Namensform findet man in einer Bulle des Papstes Innozenz III vom 6. Mai 1208. Der alte Name Partipan weist vermutlich auf die „flache Wiese“ oder „ebene Terrasse“ hin (pratum = Wiese, Wiesengelände; planum = flach, eben). Im Rätischen Namenbuch weist A. Schorta auf andere Dorfbezeichnungen hin: 1431 Partepan, 1456 Partpon, 1474, 1551 und 1562 Parpon, 1499 und 1513 Parpan, 1572 Parpaun.
Das Wappen
Das Gemeindewappen erinnert an den Bergbau am Parpaner Rothorn von ca. 1489 bis 1618, welcher der Gemeinde den nötigen Verdienst einbrachte. Ein gelber Stollenhammer zwischen zwei gelben Sternen auf blauem Hintergrund. Die beiden sechseckigen Sterne deuten auf die Zugehörigkeit zu Churwalden hin, die Farben gelb und blau auf diejenige des Zehngerichtebundes.
Geografische Lage
Parpan ist ein Dörfchen auf 1511m am obersten Rand des Churwaldnertals. Es gehört zum Kreis Churwalden und liegt an der Passstrasse Chur-Lenzerheide-Julier-Engadin.
Die Grenze gegen Valbella-Vaz/Obervaz hin verläuft auf der Südseite von den obersten Häusern des Dorfes entlang bis hinauf zur Parpaner Höhe, zieht sich hinauf zum Parpaner Schwarzhorn und lässt auf der Ostseite hinaus gegen den Oberberg etwas Weite gewinnen. Dann fällt sie auf der Nordseite von der Alp Foppa über die Fluh stark ab. Der wild sprudelnde Gaisstschuggenbach bildet die Grenze nach Churwalden und lässt noch eine Behausung im Flecken „Stettli“ zu Parpan gehören.
Der tiefste Punkt im Gemeindegebiet liegt im Stettli auf 1347 m ü.M. und der höchste auf dem Schwarzhorn mit 2683 m.ü.M..
Die Römer
58 v.Chr. unterwarfen die Römer das helvetische Land, 15 v.Chr. das Gebirgsland Rätien. Um die neue Provinz auch beherrschen zu können, mussten sie für Truppen und militärische Zufahrten Verbindungslinien bauen. Durch das „Räia prima“ wurden zwei Durchgangsstrassen angelegt. Die „Obere Strasse“ führte von Chur über Lenzerheide nach Tiefencastel, weiter durch das Oberhalbstein und dann über den Septimer ins Bergell. Parpan war ein wichtiger Umschlagplatz und besass grössere Pferdestallungen. Die Strassen der Römer galten nicht nur für das Militär, sondern auch für den Postverkehr und für Reisende.
Die Vazer und die Walser
Parpan gehörte zu Vaz, bis die Dynastie der Freiherren von Vaz ausstarb. Der einerseits gefürchtete Freiherr Donat von Vaz galt andererseits als Freund und Beschützer der freien Leute. Dies war eine günstige Voraussetzung für die freiheitsliebenden Walser. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts zogen Walser-Sippen aus Davos ins Schanfigg und von da aus nach Praden, dann über Runcalier an den Churwaldnerberg und weiter nach Jux am Dreibündenstein. Es ist nicht auszuschliessen, dass sich dabei einige Walser abspalteten und auf dem Parpaner Oberberg ihre zukünftige Heimat suchten.
Kirche
Aus Urkunden kann entnommen werden, dass 1208 eine kleine Kirche, St. Peter genannt, zuoberst im Dorf, links der Strasse nach Lenz gestanden hat. Sie gehörte dem Herren von Vaz und stellte einen Teil des Klosters Churwalden dar. Im Reformationsjahr wurde das Kirchlein von der Mutterkirche abgetrennt und zur Pfarrkirche erhoben. Als die kleine Kapelle den Bedürfnissen der Bevölkerung nicht mehr genügte, wurde mit dem Bau eines grösseren Gotteshauses beim Bühl begonnen. Die Kapelle blieb noch lange bestehen und wurde erst um 1633 – 1636 für den Bau des neuen Kirchturms auf dem Bühl abgerissen. Das Spezielle an der neuen Kirche ist, dass die Kirche selbst im Dorf steht, der Kirchturm jedoch auf dem Hügel.
Bergbau
In den Jahren von 1489 und 1618 wurde am Parpaner Rothorn Kupferfahlerz abgebaut. Über den Umfang der Ausbeute fehlen jedoch genauere Anhaltspunkte. Das Metall wurde ins Bergell nach Plurs geführt. Mit dem Untergang von Plurs 1618 hörte auch der Bergbau am Rothorn auf, und bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts ist von Erzabbau nicht mehr die Rede. 1806 hatte sich dann eine Bergbaugesellschaft konstituiert, die den Bergbau weiterführte. Erz wurde jedoch keines mehr gefunden und schon 1812 musste der Betrieb wieder eingestellt werden.
Gemeindeautonomie
Als eigenständige Gemeinde behauptete sich Parpan erst 1770. Vorher gab es keine dorfeigenen Bürger. Churwalden und Parpan gehörten zusammen. Diese Zugehörigkeit ergibt sich daraus, dass das Kloster Churwalden im oberen Teil des Dorfes „beim oberen Tor“ einen Hof und eine Kirche besass. Auch die Funktionen in der Politik waren übergreifend. Trotzdem wurde Parpan als eigenes Dorf anerkannt. In der Folgezeit musste die Gemeinde nun ihre eigene Verfassung festlegen.
Tourismusverein Parpan
Dank des Passverkehrs erhielt das Churwaldnertal einen grossen wirtschaftlichen Aufschwung. Im Verlaufe der Zeit wurde Parpan zum Kurort. Um 1870 passierten täglich mehrere Postkutschen-Kurse das Tal. Im Jahr 1920 löste das Postauto im Sommer die Kutsche ab. Die Zahl der Reisenden stieg sogleich rasant an.
Im Jahr 1905 gründete Hptm.-Major-Oberstift R. von Capeller den Kurverein Parpan. Mit der Zunahme von Privatautos nahm die Bergstrasse an Bedeutung zu. Dieser enorme Verkehr und die Erschliessung des Skigebiets brachten viele Gäste und den entsprechenden Verdienst ins Tal.
Schlössli

- Schlössli Parpan
Das Schlössli wurde Mitte des 16. Jahrhunderts von der Familie Hartmannis erbaut. Landamman Hartmann von Hartmannis war 1581/82 und 1593/94 Landeshauptmann im damaligen Untertanengebiet Veltlin. 1588 war er Gesandter des Zehngerichtebundes bei der eidgenössischen Tagsatzung zu Baden. Er war wiederholt Offizier in französischen Kriegsdiensten und rettete 1589 Heinrich III., König von Frankreich, den Thron. Er wurde dafür vom König zum Ritter geschlagen.
1603 wechselte das Schlössli in den Besitz der Familie Buol, weil Paul Buol Margaretha von Hartmannis heiratete. Das Gebäude wurde von ihm bis 1675 zur endgültigen Version mit Kreuzfirst, achteckigem Kuppeltürmchen und Balkon ausgebaut. Seit 1875 gehört das aussergewöhnliche Herrschaftshaus der Familie Weber aus Chur. Sie übernahm es in einem total vernachlässigten Zustand, bewohnt von Fledermäusen und Ratten. Darauf wurde eine langfristige Aussen- und Innenrenovation durchgeführt. Im Südwestzimmer im zweiten Stock zieren Malereien von Hans Ardüser die Wand.
Alti Saga
Wann die ursprüngliche Säge erstellt wurde, ist nicht bekannt. Erstmals schriftlich erwähnt wird der Umbau der Säge in einem Vertrag mit der Gemeinde Parpan im Jahre 1921. Im Juli 1922 beschloss dann die Gemeindeversammlung von Parpan, die Säge umzubauen. Eine Hochdruckleitung wurde zur Speisung der neu eingebauten Turbine installiert. Das Wasser bezog man von der Trinkwasserversorgung der Gemeinde Parpan. Dies hatte zur Folge, dass bei hohem Wassergebrauch die Säge eingestellt werden musste, damit die Gäste des damaligen Hotels Alpina noch genügend Wasser hatten. Im Jahr 2004 wurde die Säge vom Verein Alti Saga erneut umgebaut und läuft seither wieder einwandfrei. Die „Alti Saga“ kann besichtigt werden.
Literaturnachweis
Parpan - Ferienort mit Charme von Roman Brugger / Kultour von Verein Ortsmuseum Vaz/Obervaz, Gemeinde Vaz/Obervaz und Tourismusverein Lenzerheide-Valbella





